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„Arbeit ganz hervorragend. Beschreiben nützt nichts, ansehen!“
Der Fund der Nofretete in Tell el-Amarna

Im Auftrag der Deutschen Orient-Gesellschaft (DOG) fanden zwischen 1911 und 1914 Grabungen im ägyptischen Tell el-Amarna statt. Sie standen unter der Leitung des deutschen Archäologen und Bauforschers Ludwig Borchardt, der seit 1907 Direktor des Kaiserlich Deutschen Instituts für Ägyptische Altertumskunde in Kairo war. In mehreren Kampagnen wurden zahlreiche Objekte aus der Amarnazeit geborgen und in Tagebüchern und Fundjournalen sowie in Skizzen, Aquarellen und Fotografien dokumentiert. Auch die Stadtstruktur von Amarna, vor allem der Wohnhäuser, wurde von Borchardt detailliert erfasst.

Der spektakulärste Fund der Grabungen ereignete sich am 6. Dezember 1912, als Borchardt die farblich gefasste Büste der Nofretete entdeckte. Im Tagebuch vermerkte er im typisch-kurzen Schreibstil folgendes: „Lebensgroße bemalte Büste der Königin, 47 cm hoch. Mit der oben gerade abgeschnittenen blauen Perücke, die auf halber Höhe noch ein umgelegtes Band hat. Farben wie eben aufgelegt. Arbeit ganz hervorragend. Beschreiben nützt nichts, ansehen.“

Am 20. Januar 1913 fand der damals üblichen Praxis folgend die Teilung der Grabungsfunde statt, wie es das offizielle Fundteilungsprotokoll belegt. In Anwesenheit von Gustav Lefebvre, Inspektor des ägyptischen Antikendienstes, erfolgte die Teilung à „moitié exacte“, also in zwei gleiche Hälften. Die Büste der „bunten Königin“ sowie eine große Anzahl an königlichen Porträtköpfen wurde Berlin zugesprochen.

Die Objekte gingen in den Besitz von James Simon über, der die Grabungen finanziert hatte. Er stellte sie für eine erste Ausstellung der Amarna-Funde 1913 dem damaligen Berliner Ägyptischen Museum zur Verfügung. In dieser Ausstellung wurde der gesamte Fund aus der Grabung 1912/13 gezeigt, jedoch nicht die Büste der Nofretete. Erst in einer Neuaufstellung der Sammlung 1923/24 wurde sie der Öffentlichkeit präsentiert.

In der Ausstellung werden ergänzend zur archäologisch-kulturhistorischen Präsentation, die Grabungsgeschichte, die Fundteilung und auch das Thema der Rückgabe-Anfragen thematisiert. Hinzu kommt die Inszenierung der Büste der Nofretete zur Kunst-Ikone und ihrer Vermarktung im 20. und 21. Jahrhundert.